04.03.2010
Hantavirus-Erkrankungen
Mitteilungen anderer Behörden
Kreisgesundheitsamt rät: Vorsicht vor Mäuse-dreck beim Frühjahrsputz in Haus und Garten
In diesem Jahr wurden dem Kreisgesundheitsamt 8 Hantavirus-Erkrankungen im Landkreis Reutlingen gemeldet. Damit sind in den ersten beiden Monaten des Jahres 2010 so viele Erkrankungsfälle wie im ganzen Jahr 2009 gemeldet worden. Das Robert Koch-Institut be-fürchtet 2010 eine hohe Zahl an Erkrankungsfällen. Auch in anderen Landkreisen wird ein Anstieg der Hantavirus-Infektionen gemeldet.
Hantaviren werden über wildlebende Nagetiere verbreitet, die das Vi-rus vor allem über Speichel, Kot und Urin ausscheiden. Der Mensch infiziert sich in der Regel durch das Einatmen erregerhaltigen Staubes, in dem Viren über Tage oder sogar Wochen stabil sind. Hauptüberträger ist die Rötelmaus, deren wichtigste Nahrungsquelle Bucheckern darstellen. Die aktuelle Häufung ist vermutlich auf eine besonders ho-he Population an Rötelmäusen zurückzuführen, die im vergangenen Jahr durch eine stark ausgeprägte Buchenmast (Behang der Buchen mit Fruchtkörpern, den Bucheckern) begünstigt wurde.
Der überwiegende Teil der Hantavirusinfektionen verläuft in aller Regel unbemerkt oder sehr leicht, da in Süddeutschland ein weniger ge-fährlicher Subtyp vorherrscht. Macht sich die Erkrankung bemerkbar, sind die Symptome ähnlich einer Grippe. Die Erkrankung beginnt mit plötzlich einsetzendem hohem Fieber, begleitet von Kopf- und Gliederschmerzen. Häufig können auch Rücken- und Flankenschmerzen sowie Bauchschmerzen auftreten. Die Infektion kann mit Nierenfunkti-onsstörungen einhergehen, in schweren Fällen besteht auch die Ge-fahr eines Nierenversagens. Bei solchen Krankheitsverläufen kann kurzzeitig auch eine Dialyse (Blutwäsche) notwendig werden. Die Infektion heilt im Regelfall vollständig aus. Die Dauer der Erkrankung beträgt durchschnittlich 2-4 Wochen und mehr als die Hälfte der Pati-enten wird stationär behandelt.
Bei entsprechenden Symptomen rät das Kreisgesundheitsamt einen Hausarzt bzw. eine Hausärztin zu konsultieren. In den meisten Fällen beschränkt sich die Therapie auf eine Behandlung der Symptome wie Fiebersenkung, Infusionstherapie, bei vorübergehendem Nierenversagen gegebenenfalls Dialyse. Eine Hantavirus-Infektion kann in der Regel nicht ursächlich behandelt werden.
Das Risiko einer Ansteckung durch Hantaviren besteht nach bisherigen Erkenntnissen insbesondere bei folgenden Tätigkeiten:
- Kontakt mit Mäusen oder deren Ausscheidungen, auch im staubtrockenen Zustand
- Holzarbeiten im Wald oder Umgang mit Brennholz im häuslichen Umfeld
- Aufenthalt oder Arbeit wie reinigen, aufräumen oder renovieren (insbesondere Staub erzeugende Tätigkeiten) von Dachböden, Garagen und Kellern in waldnahen Häusern bzw. Gartenhäuschen, Waldhütten oder Schuppen.
Um das Risiko einer Ansteckung durch Hantaviren zu verringern, empfiehlt das Kreisgesundheitsamt folgende Maßnahmen:
- Fernhalten von Mäusen und Ratten aus dem Umfeld menschlicher Wohnbereiche
- Lebensmittel sicher aufbewahren und nicht draußen liegen lassen
- Essensreste oder tierische Abfälle sollen nicht auf dem Komposthaufen im Garten landen, denn dadurch werden die Nagetiere angezogen
- Verminderung der Staubentwicklung durch Befeuchten von Böden und Regalen vor Beginn der Reinigungsmaßnahmen
- Mäusekadaver und Exkremente vor der Entsorgung mit handelsüblichem Desinfektionsmittel benetzen
- Das Tragen einer Feinstaubmaske bieten einen guten Schutz, wenn doch Staub aufgewirbelt wird
- Auch Einmalhandschuhe und Schutzbrille sind empfehlenswert, da im Staub enthaltene Viren auch über die Augenschleimhäute in den Körper eindringen können.
Eine Impfung gegen Hantavirusinfektionen gibt es nicht.
Das Kreisgesundheitsamt weist auf folgende Informationsquellen hin:
Im Internet finden sich unter www.kreis-reutlingen.de und den Stichworten Kreisgesundheitsamt, Infektionsschutz, ein Merkblatt zu Hantaviren.
Umfangreiche Informationen finden sich unter www.rki.de beim Robert Koch-Institut Berlin unter dem Stichwort Epidemiologisches Bulletin oder Infektionskrankheiten von A bis Z oder Merkblätter für Ärzte.
