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Mehr als ein
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Sprachkurse für ukrainische Geflüchtete

Artikel vom 24.06.2022

Vor wenigen Wochen führten sie noch ein normales Leben zu Hause, nun sind sie hier – hineingeworfen in ein fremdes Land mit einer Sprache, die sie nicht verstehen. Siebzehn Menschen aus der Ukraine haben aktuell Zuflucht in Grafenberg gefunden, weitere werden noch erwartet. Anders als bei der Flüchtlingswelle 2015 suchen keine Männer, sondern fast ausschließlich Frauen und Kinder Schutz. Für eine schnelle Verständigung im Alltag und die Integration in den Arbeitsmarkt und das Bildungssystem ist der Erwerb deutscher Sprachkenntnisse frühzeitig notwendig. „Unabhängig davon, wie lange die ukrainischen Geflüchteten bei uns bleiben werden, wollen wir ihre Integration bestmöglich fördern“, betont Hauptamtsleiterin Panagiota Athanasiou-Seliger.

Aus diesem Grund bietet die Gemeinde seit April kostenlose Deutschkurse an. Diese finden dreimal in der Woche statt, immer montags, dienstags und donnerstags von 14:00 bis 15:30 Uhr. Unterrichtet werden insgesamt 12 Geflüchtete in zwei Gruppen. Der Unterricht findet in der örtlichen Grundschule sowie im Evangelischen Gemeindehaus statt. Es handelt sich um Anfängerkurse für Teilnehmer ohne Vorkenntnisse, die eine erste Orientierung geben sollen. Kursinhalte sind der Alltag in Deutschland, Einkaufen, Gesundheit, Wohnen, Arbeit und Bräuche.

Tatkräftige Unterstützung bei der Organisation bekam die Gemeinde vom Arbeitskreis Asyl, in dem sich viele Helferinnen und Helfer engagieren. Durch Vermittlung des Arbeitskreises fanden sich schnell vier pensionierte Lehrerinnen und Lehrer, die bereit waren, die Geflüchteten ehrenamtlich zu unterrichten. Die Kurse werden von Gisela Hottinger, Hans Wahl, Ingrid Volk-Trautwein und Hartmut Fenchel geleitet. "Zu sehen, wie gut unsere Schüler lernen ist fantastisch", sagt Gisela Hottinger. „Wir freuen uns, dass wir ihnen schnell und bedürfnisorientiert helfen können“. Der Sprachunterricht wird sehr gut angenommen, auch weil es sich um ein niederschwelliges Angebot direkt vor Ort handelt. „Wir sind mit einem Alphabetisierungskurs gestartet, damit die Teilnehmer, die in ihrer Muttersprache kyrillische Schriftzeichen nutzen, ihre Kenntnisse der lateinischen Schrift durch Wiederholung vertiefen und ausbauen können“, erläutert Hans Wahl. „Zugleich lernen sie die ersten Konversationsbausteine auf Deutsch“.

Bürgerstiftung Grafenberg unterstützt finanziell

Die Bürgerstiftung Grafenberg unterstützt die sprachlichen und gesellschaftlichen Integrationsbemühungen finanziell mit Fördermittel aus dem Fonds „Auf Augenhöhe“. Ziel des Fonds ist es, bürgerschaftliches Engagement für Geflüchtete und Angekommene zu stärken sowie schnell und unbürokratisch (Zufluchts-)Räume zu ermöglichen, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehen und Begegnungen auf Augenhöhe stattfinden können. Die Bürgerstiftung hatte erfolgreich einen Antrag gestellt und eine Förderzusage in Höhe von 500 Euro für den Erwerb von Büchern und sonstigen Lernmaterialien für den Deutschunterricht bekommen. Zusätzlich bekam sie eine Förderung in Höhe von 1.000 Euro, um den ukrainischen Geflüchteten eine Mitgliedschaft in Grafenberger Sport- oder Kulturvereinen zu ermöglichen.

Bürgermeister Volker Brodbeck besuchte in dieser Woche den Deutschunterricht an der Schule und lobte das zivilgesellschaftliche Engagement bei der Aufnahme und Versorgung der ukrainischen Kriegsflüchtlinge in Grafenberg. „Ich bin beeindruckt vom großen Maß an Solidarität, Empathie und Hilfsbereitschaft in unserer Gemeinde und bedanke mich herzlich bei allen Helferinnen und Helfern“, sagte er. Der Schultes kam nicht mit leeren Händen. Er brachte einen großen Korb mit, befüllt mit allerlei Leckereien. „Erst üben, dann essen“, scherzte er. Aktuell lernen die Geflüchteten im Deutschunterricht die Namen von Nahrungsmitteln. Das Gastgeschenk verband somit das Nützliche mit dem Angenehmen.