Geschichte: Gemeinde Grafenberg

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Grafenberg
Zehntscheuer
Wald
Ziehbrunnen
Fachwerkhaus
Weinberg
Grafenberg
Zehntscheuer
Wald
Ziehbrunnen
Fachwerkhaus
Weinberg
Mehr als ein
schöner Name

Die Geschichte Grafenbergs

Die ersten Siedlungsspuren in Grafenberg wurden auf dem Berg selbst gefunden. Sie deuten auf eine Besiedlung durch die Menschen der Jungsteinzeit (ca. 3500 v. Chr.) hin. Archäologische Funde lassen eine Besiedlung durch die Kelten rund 3000 spätere vermuten. Es gilt als sicher, dass eine befestigte Anlage auf dem Berg gestanden hat. Sie könnte sowohl eine steinererne Wehranlage oder ein befestigter Herrenhof gewesen sein. Die erste urkundliche Nennung Grafenbergs geht auf das Jahr 1246 zurück. Damals forderte der Grafenberger Pfarrer eine Ausnahmegenehmigung durch Papst Innozenz IV., die dieser auch erteilte.Bis 1800 gehörte Grafenberg zum Amt Neuffen, dann zum Oberamt Nürtingen und seit 1973 zum Landkreis Reutlingen.

Der Reiz des Ortes besteht in seiner wunderschönen landschaftlichen Lage. Früher erfolgte eine Einteilung des Ortes in zwei Teile: den “vorderen” und den “hinteren” Berg. In den Frühzeiten der Siedlung dehnte sich der Ort nur im vorderen Berg, also rund um die Kirche, an der heutigen Bergstraße bis zur Höhe des Rathauses, aus. Damals standen 10 Häuser, die Kirche, das Pfarrhaus sowie die Kelter. Später dehnte sich der Ort auch in südlicher Richtung aus.

Der Weinbau spielte als Erwerbszweig eine wichtige Rolle. Die Kelter selbst wurde 1475 erstmals urkundlich erwähnt und ist heute noch Zeitzeuge. Früher war fast jeder Grafenberger in der Landwirtschaft beschäftigt. Manche haupt- und einige nebenberuflich. Es gab große soziale Unterschiede innerhalb der Dorfbevölkerung. Dies zeigte sich zum einen in der Größe der Lehen und zum anderen besaßen viele ärmere Bauern nicht einmal ein eigenes Wohnhaus und arbeiteten als Taglöhner bei größeren Bauern. Zudem mussten die Bauern an ihre Grundherren, die Grafen bzw. Herzöge von Württemberg auch Zehnt leisten. Hierbei diente der kleine Zehnt als Besoldung des Grafenberger Pfarrers. Die Zehntfrüchte lagerte man in der Zehntscheuer im Ort, die der Kirche gehörte. Die Zehntscheuer wurde erstmals 1525 erwähnt. Noch heute erinnert sie an diese Zeit.

Bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts war nur der ortsansässige Pfarrer des Lesens und Schreibens mächtig. 
Im Jahr 1582 wurden eine deutsche Schule gemeinsam mit Großbettlingen eingerichtet. Dadurch konnten auch Kinder von Bauern und Handwerkern ein gewisses Maß an Bildung erhalten. Ab 1600 hatte Grafenberg dann eine eigene Schule, die bis zur Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahr 1649 nur von Jungen besucht wurde. Die Schule war eigentlich nur im Winter gut besucht, denn die meisten Kinder mussten bei der Pflanz- und Erntearbeit helfen.

  

Im Jahr 1603 lebten in Grafenberg 242 Personen. Nach dem 30jährigen Krieg hatte sich die Bevölkerungszahl vor allem durch die Pest um ein Drittel dezimiert. Die Bevölkerungszahlen waren selbst Anfang des 20. Jahrhunderts noch relativ gering. Im Jahr 1921 zählte der Ort knapp 700 Einwohner. Einen deutlichen Bevölkerungszuwachs brachte das Ende des Zweiten Weltkrieges durch den Zuzug von Heimatvertriebenen. Nun entstanden neue Siedlungen im Gebiet Ziegelwasen, das genossenschaftlich erschlossen wurde. Mit der Ausweisung des Baugebiets Brunnäcker um 1980 und der gezielten Ansiedlung von Industriebetrieben entlang der Riedericher Straße erfolgte eine gravierende Änderung der Bevölkerungsstruktur. Neue Arbeitsplätze und die notwendige Infrastruktur wurden geschaffen, so dass der Ort für viele Neubürger attraktiv wurde. Aktuell wohnen rund 2700 Personen im Ort.